Transformationen

Mein Sohn kam in einer kalten Nacht im Jänner 2010 per Not-OP auf die Welt. Seine Geburt war nicht die entspannte, sich stetig aufbauende Geburt, die ich mir irgendwie vorgestellt hatte. Sie war ein viel zu schneller Strudel aus Schmerz, Hoffnung, gepaart mit Angst und schließlich die Erleichterung, als ich ihn schreien hörte. Ich erinnere mich, dass ich zum Arzt sagte, mir sei egal, was mit mir passierte, er solle sich um mein Kind kümmern. Obwohl wir ein paar Tage später erschöpft, aber gesund das Krankenhaus verlassen durften, hatte ich eine Schwelle gespürt, die ich davor nicht wahrgenommen hatte. Es war ein kleiner Tod. Mein altes Ich fiel auseinander, und ich wurde gemeinsam mit meinem Sohn neu geboren. Und letztlich war er es, der mich dazu inspiriert hat, mich mit der Astrologie zu beschäftigen.

NEUE WELTEN

Indem ich versuchte, dieses Wesen, das mir anvertraut worden war, und die Erfahrung, die an seine Geburt geknüpft war, besser zu verstehen, öffnete ich immer neue Türen in der astrologischen Wissenschaft.
Mein Sohn hat einen Skorpion-Aszendenten. Es heißt, der Aszendent beschreibe die Energie des Menschen, mit der er der Welt begegnet und auch die Umstände seiner Geburt.

Skorpion hat ein unglaublich tief gehendes Wesen, das keine Unehrlichkeit duldet, jeden Schleier herabreißt, und die Wahrheit, die letzte Wahrheit, enthüllt. Und damit auch jene Schwellen überschreitet, die für die anderen tabu sind. Bis heute ist das exakt jene Kraft, die mein Sohn ausstrahlt. Er will immer die Hintergründe wissen, einfache Erklärungen reichen niemals. Instinktsicher spürt er den einen Punkt im Gespräch auf, der ein Schlüssel zur nächsten Frage ist. Gesellschaftliche Konventionen akzeptiert er nur widerstrebend. Für ihn ist es kaum vorstellbar, dass es Menschen gibt, die nicht die letzte aller Wahrheiten ans Tageslicht befördern wollen. Er könnte eines Tages einen guten Wissenschaftler abgeben.

Die Umstände seiner Geburt waren traumatisch. Sie hängen mit ihren dunklen Energien immer noch zu gewissen Zeiten im Raum und wollen gesehen werden. Was man sieht, wem man sich zuwendet, zu dem man ein „ja“ sagt, kann mit der Zeit zur Ruhe kommen. Das verlangt Skorpion von einem: Sag ja zu dem, was du am meisten fürchtest. Letztlich zum Tod.

ZERSTÜCKELT UND NEU ZUSAMMENGESETZT

Viele Frauen beschreiben die Geburt ihrer Kinder als Grenzerfahrungen, viele sind durch sie innerlich gewandelt. Manche haben das Gefühl, aufgelöst zu und neu zusammengesetzt zu werden. Das ist im Übrigen auch eine schamanische Erfahrung. Zerstückelt und dann im großen Kessel durcheinander gewirbelt zu werden, um letztendlich wieder verändert neu zusammen gesetzt zu werden. Wie der ägyptische Gott Osiris zerstückelt und von Isis erneut zusammen gesetzt wurde.

DER BLICK FÜRS WESENTLICHE

Es gibt immer wieder Zeiten in unserem Leben, zu denen wir uns zerstückelt vorkommen. Alle Teile fallen in unterschiedliche Richtungen, und wir stehen als Zuschauer hilflos und machtlos daneben. Manchmal gibt es tatsächlich nichts, das wir aktiv beitragen können. Gutgemeinter Rat ist hier fehl am Platz, hier braucht es Mitgefühl und einen Blick für das Wesentliche, für das Bedürfnis des Menschen, trotz allem als ganz und heil und richtig wahrgenommen zu werden. Und wenn diese Hinwendung erfolgt ist, dieser Kontakt aus dem Herzen aufgebaut ist, dann kann man gemeinsam die umherliegenden Teile betrachten und sie zurechtrücken. Oder ihre Schönheit und Vollkommenheit erkennen, wie sie eben momentan sind.

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